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EuroAmusement Professional 3-2014-Leseprobe

Seite 28 EuroAmusement Professional 3-2014-LeseprobeEdutainment

Echtes Leben oder Museumsdorf? Diese Frage
stellen sich auch die Besucher des Freilichtmuseums Detmold oft ...

Lernort:
Freilichtmuseum
Was Besucherzentren zu attraktiven
Touristenmagneten macht
Authentizität ist ein in der Freizeitwirtschaft vielbenutzter Begriff, der eigentlich jedem Planer und Betreiber von Freizeitanlagen heute in ,,Fleisch und Blut" übergegangen sein sollte ­ und zumeist wohl auch ist. Diese sichtbare und fühlbare
Echtheit mit Dekoration, Thematisierung und entsprechender
Storyline herzustellen, ist also Ziel der meisten neueren Projekte für Attraktionen und Erlebnisbereiche in modernen Freizeit- und Erlebnisparks.
Es gibt jedoch eine Gruppe von Freizeitanlagen mit primär edukativem Anspruch, die in den letzten Jahren zunehmend mit
Elementen aus der Unterhaltungsindustrie bzw. -technologie
,,aufgerüstet" haben. Oder aber solche, die mit dem Schreiben
ganzer Storyboards die Ausstellung ihrer gesammelten Artefakte zu einer Geschichte formiert ...Die Rede ist von Freilichtmuseen.

Wie eine Mausefallen-Krämerin im
19. Jahrhundert
von Haus zu Haus
zog, um ihre Fallen
feilzubieten, können
die Besucher u.a. im
LVR-Freilichtmuseum
Kommern erleben.
Foto ©: FLM Kommern

Großeinsatz für Schmied und Stellmacher: Wenn im LVR-Freilichtmuseum
Kommern zum Beispiel große, schwere Kanonenräder bereift werden,
herrscht großer Andrang von Groß und Klein. Foto ©: FLM Kommern

74 EuroAmusement Professional 3/2014

Das Freilichtmuseum als spezielle Form eines Museums informiert zumeist mit originalen und/oder umgelagerten Exponaten
und Gebäuden, die gut erhalten und konserviert wurden, über
Menschen sowie deren Leben und Wirken in früheren Zeiten.
Das, was wir uns oft nur Kraft unserer Phantasie aus Büchern
vorstellen oder auf Filme und BBC-Dokus vertrauend erahnen
können, vermögen gut strukturierte und aufbereitete Freilichtmuseen mit allen Sinnen erlebbar zu erzählen.
Im Mittelpunkt stehen Menschen längst vergangener Zeiten ­
der Hufschmied, die Waschfrau, der Krämer, der Glasbläser
oder die Dorfschullehrerin, um nur einige zu nennen ­ und
sie führen den Besuchern vielleicht sogar ihre traditionellen
Handwerke vor, während sie deren geschichtlichen Hintergrund erklären ... Doch auch Freilichtmuseen sind sehr unterschiedlich. Ein jedes ist anders, jede Einrichtung bietet differenzierten Zugang zu Kultur, Arbeit, Religion, Traditionen und
Lebensweise. In jedem Fall sollten sie aber ein intensiveres
Verständnis für die Lebensumstände und Lebensabläufe vergangener Zeiten ermöglichen. Das Stichwort ist sinnliche Erfahrbarkeit. Deshalb sind gerade jene Einrichtungen zumeist
am eindrucksvollsten, die ,,leben". Materialien, Licht, Farben,
Geräusche oder Gerüche bieten direkt emotionalen Zugang,
setzen ,,Anker", die langfristig im Gedächtnis haften bleiben
und können sogar Anstoß zu einem anschließenden theoretischen Vertiefungsbedürfnis sein.
Es gibt eindrucksvolle Beispiele in der Freizeitpark-Branche,
die sich all diese Elemente zunutze machen: Wer den Wartebereich am ,,Waschzuberrafting" im Erlebnispark Tripsdrill
kennt, hat bereits allerhand über das Leben einer ,,Waschfrau"
in früheren Zeiten erfahren. Auch die vor wenigen Jahren errichtete Ladenpassage an der ,,Alten Dorfstraße" ­ ebenfalls
in Tripsdrill ­ lässt jede Menge schwäbisches Krämerladen-

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