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EuroAmusement Professional 3-2016-Leseprobe

Seite 33 EuroAmusement Professional 3-2016-LeseprobeGeschichte ist eine lange Aneinanderreihung von Rechthaberei und Machtstreben, Eroberungen und Kämpfen ­ Krieg und Frieden. Nur wer Geschichte
begreift, kann verhindern oder mindern, dass sie sich ständig wiederholt.

angestrebten Perfektion sind die Kosten für die Produktion
und alles Drumherum erheblich: 41 Mio. Euro (31 Mio. brit.
Pfund). Die Investition liegt alleinverantwortlich in den Händen des englischen Partners in Person des Philanthropen Jonathan Ruffer. Puy du Fou beteiligt sich weder bei diesem noch
bei dem nachfolgenden Projekt als Investor.

Puy du Fou goes Russia
Als dieses Projekt bekannt wurde, war sofort Alarm in der (EU-)
Hütte und bei allen Russland-Gegnern! Mitte August 2014 traf
sich Philippe de Villiers (67 Jahre), Gründer von Puy du Fou,
mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin auf der Krim. Im Ergebnis dieses Treffens wurde ein Vertrag über die Errichtung
eines historischen Themenparks am Rande Moskaus vereinbart.
Dieser Park soll nach aktuellen Planungen nun 2020 eröffnet
werden. Das Gesamtinvestitionsvolumen für das Moskauer Projekt (,,Zargrad") wird nach Auskunft von Nicolas de Villiers mit
ca. 300 Mio. Euro veranschlagt. Als Investor wird der russische
Oligarch Konstantin Malofeev genannt ­ sein Name findet sich
übrigens auch auf der ,,Schwarzen (Einreiseverbots-)Liste" der
EU. Die gesamte Geschichte Russlands wird als thematischinhaltliche Ausrichtung des Parks in Moskau genannt.
Während Philippe de Villiers` Sohn Nicolas als Präsident von
Puy du Fou sich ums Tagesgeschäft und die weitere Entwicklung des heimischen Parks in der Vendée engagiert und emsig
kümmert, verfolgt Vater Philippe die weiterreichenden Perspektiven des Familienunternehmens. Philippe de Villiers war
unter Frankreichs Präsident Jacques Chirac Informationsminister und von 1994 bis 1999 sowie 2004 bis 2014 Mitglied
des EU-Parlaments. Der glaubenstreue Katholik de Villiers,
dem vermutlich der belesene und hochintelligente Papst Benedikt wesentlich näher ist als der mitunter postpubertär agierende und plaudernde argentinische Papst, ist kein Mensch des
Mainstream. Er scheut nicht die Konfrontation, um seine Sicht
der Dinge darzustellen: ,,Ich würde
Hollande und Sarkozy sehr gern
gegen Putin tauschen", zitiert ihn
der Londoner Telegraph. Aus seiner
Abneigung gegenüber der Französischen Revolution 1789 macht er
keinen Hehl: Als Sohn der Vendée
wusste er schon früh um das Massaker von 1794 in Lucs-sur-Boulogne,
bei dem Republikanische Truppen
(eben die Revolutionäre) zwischen

500 und 1.000 Männer, Frauen und Kinder ermordeten. Das
Mahnmal von Vendée, eine an das Bauern-Massaker erinnernde Gedenkstätte, wurde von ihm 1993 in Anwesenheit des Literaturnobel-Preisträgers Alexander Solschenizyn (,,Archipel
Gulag") enthüllt. Solschenizyn ­ der Jahrhundertmahner, der
als David den Kampf gegen den übermächtigen kommunistischen Goliath UdSSR gewann ­ fand in Philippe de Villiers
einen Bruder im Geiste. Und Solschenizyn ( 2008) hinwiederum gilt in Insiderkreisen als später geistig-geistlicher Lehrer des Ex-Tschekisten Wladimir Putin. Der Russland-Kenner
Alexander Rahr schrieb Anfang 2014 in Die Welt: ,,Putin hat
sich jahrelang von ihm (A.S.) Rat geholt." So erschließen sich
Kreise, so schließen sich Kreise. Warum aber diese etwas umfängliche Darstellung?
Mit dem von Putin und de Villiers unterzeichneten Vertrag über
den Bau des Themenparks wurde Seitens des Westens sofort an
die Sanktionspolitik der EU erinnert, die de Villiers Sen. mit
den Worten konterte: ,,Sanktionen sind Kriegsakte, Kooperationen sind Akte des Friedens." Tatsächlich war zum Zeitpunkt
des Putin/de Villiers-Treffens auch ein umfangreicher Park auf
der Krim im Gespräch, wie zahlreiche internationale Quellen
unisono belegen. Die nach wie vor gültigen Sanktionen der EU
gegenüber Russland haben dem Krim-Projekt jedoch ­ zumindest derzeit! ­ einen Riegel vorgeschoben. (s. hierzu auch unser
aktuelles Interview mit Nicolas de Villiers auf Seite 72).
Schwer wog der in der Folge des Treffens Putin/de Villiers erhobene Vorwurf, der alte Fuchs Putin habe de Villiers instrumentalisiert, um so Einfluss auf Entscheidungen des französischen
Militärs bzw. der französischen Regierung gewinnen zu können.
Erinnert sei in diesem Zusammenhang an den Sanktions-HickHack um die beiden von Frankreich für Russland gebauten Hubschrauberträger ,,Mistral" ­ immerhin ein Milliarden-Projekt! ­,
die mittlerweile statt nach Russland an Ägypten geliefert wurden ... naja. In der Tat ist de Villiers Bruder Pierre de Villiers
seit Februar 2014 Chef des französischen Generalstabes. Eine
spannende Gemengelage ­ dennoch: So simpel und mechanistisch,
wie Behauptungen medienwirksam
gerne in die Welt gesetzt werden, ist
es in der Realität oftmals nicht. Hier
sind mit Philippe de Villiers und
Wladimir Putin vielmehr zwei MänIm August 2014 traf sich Puy du FouGründer Philippe de Villiers (li.) mit
Russlands Präsidenten Wladimir Putin.
EuroAmusement Professional 3/2016

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