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EuroAmusement Professional 4-2017

Seite 103 EuroAmusement Professional 4-2017Karl Köhler, geschäftsführender
Gesellschafter der Berliner Seilfabrik

BusinessReport

made-Projekten der Berliner". Die
besondere Attraktivität dieser Spielgeräte besteht in ihrer Vielseitigkeit.
Der Fantasie der Kinder sind im Spiel
keine Grenzen gesetzt. ,,Sie nutzen
immer wieder neue Eingänge, um das
Spielgerät zu erklimmen, zu erspielen oder zu erfahren. Dabei schult
das Klettern im Raum nicht nur die
psychomotorischen Fähigkeiten, sondern auch das Sozialverhalten. Man
schubst niemanden von einem Seil,
man gibt eher noch Tipps, wo der
Spielpartner seinen Fuß als nächstes
abstellen kann", so Köhler.

aus einem der höchstmöglichen Fallposition des Zylinders entsprechenden Fallschutz. Die maximale Fallhöhe von drei Metern muss ungeachtet
dessen eingehalten werden. Einzige
Ausnahme: übereinanderliegende Flächennetze. Hier darf die Maschenweite maximal 42 cm betragen, wenn die
Netze mit einem Abstand von mehr
als einem Meter übereinander angeordnet sind.

Probleme taten sich in der Vergangenheit vor allem bei der Betrachtung
der Fallhöhen an Raumnetzen und innerhalb der Strukturen auf, weil diese
oftmals sehr unterschiedlich bewertet
wurden. So ergab sich die Notwendigkeit, zusätzliche Anforderungen speziell für diese Art der Seilspielgeräte zu
definieren. ,,Da ein Kind beim Klettern
im Raumnetz gezwungen ist, immer
mindestens drei Sicherungspunkte zu
suchen, um vorwärts zu kommen, kann
davon ausgegangen werden, dass das
Sicherungsniveau höher ist, als beispielsweise bei freiem Stehen auf einer
Fläche", erläutert Jörg Prechter. ,,Unser
höchstes Seilspielgerät ist etwas über 13
Meter hoch. Natürlich sieht das erstmal
gefährlich aus, wenn man da von oben
durch die Maschen schaut. Genau dadurch wird für den Benutzer aber das Ri-

siko sichtbar und er verhält sich bewusst
vorsichtiger", ergänzt Karl Köhler. Ergo:
Ein gefährlich aussehendes Spielgerät
beeinflusst das Verhalten des Benutzers
so, dass die Gefahr einer schwerwiegenden Verletzung eingedämmt wird.
Auch die Maschenweite eines Raumnetzes scheint ein wichtiger Faktor bei
der Sicherheit von Seilspielgeräten zu
sein. Konkret sollte ein unfreiwilliges
Durchfallen durch die Maschen ja gar
nicht möglich sein, da ein Sturz durch
reflexartige Armbewegungen gebremst
werden sollte. ,,Auf die richtige Balance
zwischen Sicherheit und Risiko kommt
es an, da die Maschenweite zur entscheidenden Größe wird, um schwere Verletzungen zu vermeiden", so Prechter.
Auch Karl Köhler sieht das so: ,,Durch
die Einhaltung der Sicherheitsnormen
ist gewährleistet, dass das Kind maximal
sicher spielen kann. Ganz wichtig finden wir aber auch, dass ein Restrisiko,
beispielsweise für kleinere Schürfwunden bleiben muss. Gerade in Zeiten von
Smartphones & Co. sehen wir es als Herausforderung, einen Anreiz zu schaffen,
die Kids weg vom Bildschirm und hin zu
mehr Bewegung im Spiel zu ermutigen."
Für die Maschenweiten sind durchschnittliche Größen und Greifweiten der
Benutzer angenommen. Definiert ist ein
Zylinder mit einer Höhe von 180 cm und
65 cm Durchmesser, welcher nicht senkrecht durch das Raumnetz fallen darf;
es sei denn, die Aufprallfläche bestünde
Von oben betrachtet wird klar:
Raumseilspielgeräte sind ein sorgfältig
ausgeklügeltes Konzept aus Maschenweiten- und
Fallhöhenberechnung ...

Als dritten sicherheitstechnischen Aspekt bei Raumnetzen verweist Jörg
Prechter auf das Gesetz der Schwerkraft: ,,Da Stürze bei geneigten Außenkonturen von Netzpyramiden nicht
nach außen, sondern senkrecht nach unten verlaufen, sind konstruktive Elemente, die sich außerhalb des Raumnetzes
befinden, nicht relevant. Die Fallhöhe ist
nur senkrecht auf das nächste Netzelement zu bestimmen", so Prechter.
Unabhängig von alledem spielt aber auch
der Winkel zusammenlaufender Teile
bei Spielplatzgeräten eine entscheidende
Rolle in Bezug auf die Sicherheit, weil
ein Winkel von weniger als 55° bei einer
Höhe von mehr als 60 cm als unsicher
eingestuft wird. Weil er eine so genannte
Fangstelle bietet, entspricht er nicht der
Norm, was im Ergebnis Auswirkungen
auf die Form von Seilspielgeräten haben
kann. Wie Prechter erläutert, sind sowohl Gerüst, als auch Raumnetz oftmals
als platonische Form konstruiert, sodass
keine Winkel innerhalb der Zellen entstehen können, die kleiner als 60° sind.
Kleinere Winkel befänden sich lediglich
in der Nähe der Abspannpunkte, wo sie
zu einem Fluchtpunkt zulaufen. ,,Um
auch an diesen Stellen eine entsprechende Sicherheit gewährleisten zu können,
bauen wir bei zusammenlaufenden Netzteilen ein kleines Flächennetz ein. Somit
ist ein Fallen in den Winkel nicht möglich", bestätigt Jörg Prechter, Produktionsleiter und Qualitätsmanager bei der
Berliner Seilfabrik sowie Mitglied des
Normausschusses für Spielplatzgeräte
und Spielplatzprüfer.
Bleibt zu guter Letzt die Frage, wer für
all diese Punkte die Verantwortung trägt.
Der Norm zufolge ist primär der Betreiber verantwortlich, dass sowohl die
Spielplatzgeräte als auch die Einbausituation den sicherheitstechnischen Vorgaben entsprechen. Dies schließt auch eine
Verkehrssicherungspflicht ­ also die
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