< Seite 43
Seite 45 >

Seite 44

EuroAmusement Professional 4-2017

Seite 44 EuroAmusement Professional 4-2017Parks
Thorpe Park und ,,Top Thrill
Dragster" in Cedar Point einzuordnen. Doch anstatt auf
einen Hydraulikantrieb setzte
man in Spanien auf Magnetantrieb. Dieser beschleunigt
die maximal drei im Einsatz
befindlichen Züge in fünf Sekunden auf 180 km/h. Einziges
Element vor der Schlussbremse ist der gleich drei riesige
Ferrari-Logos tragende Top
Hat samt seiner senkrechten
Auf- und Abfahrt. Dank ihrer
besonderen Charakteristik hebt
sich die Bahn sowohl vom zuvor schnellsten Launch Coaster sowie der zuvor schnellsten
Achterbahn Europas ab, welche beide im PortAventura
Park anzutreffen sind. Im Verbund mit ,,Dragon Kahn" und
,,Stampida" lässt sich PortAventura World somit problemlos als
Destination für Thrillseeker vermarkten.
Wer sich nicht auf Red Force traut, kann
die Fahrt von einer Zuschauertribüne
aus verfolgen und sich derweil von einer
großen Videowand unterhalten lassen.
Eine Eigenart von Red Force, deren
Züge auf Schulterbügel verzichten, sei
noch angemerkt: Fahrgäste in der ersten
Reihe müssen eine Schutzbrille tragen,
nachdem es kurz nach der Eröffnung zu
Problemen mit Vogelflug kam.

Neben der Achterbahn nimmt das ,,Maranello Grand Race" die größte Grundfläche des Ferrari Lands ein. Es handelt sich
hierbei um eine 570 Meter lange, doppelspurig ausgeführte Monza-Piste, welche
von C & S geliefert wurde. Die Besucher
können selbst lenken und Gas geben und
sich somit theoretisch ein Rennen liefern.
Die passende Stimmung dazu kommt
jedoch nicht auf. Die Ferraris haben einen Elektromotor, Imitate von Motorgeräuschen eines Verbrennungsmotors werden künstlich eingespielt. Es sind aber
vor allem die überschaubaren Fahrleistungen, welche die Emotionen bremsen.
Für Kinder fehlt es an Gestaltung ­ die
Fahrt führt längere Zeit an nackten Betonwänden vorbei ­, für Erwachsene an
Rasanz. Diese halten deswegen auch immer mal wieder an und fotografieren sich
gegenseitig in den kleinen Wagen ... einen Ferrari fährt man halt doch nicht alle
Tage. Die Inszenierung des Maranello
Grand Race von außen betrachtet ist hin44 EuroAmusement Professional 4/2017

Ein Name ­ verschiedene
Fahrerlebnisse: Die ,,Thrill Towers"
werden als eine Attraktion angeboten,
verfügen jedoch mit einem Space
Shot und einem Turbo Drop über
unterschiedliche Fahrerlebnisse.

das Publikum überspringen.
Die Bühnenkonstruktion wurde bewusst einfach gehalten,
da sie sich auf der Grenze zum
potentiellen
Erweiterungsgelände des Ferrari Lands
befindet, welches derzeit als
Parkplatz fungiert. Pläne dazu
wurden bislang nicht veröffentlicht, es ist einzig die Option bekannt, in naher Zukunft
ein zum Ferrari Land passendes Hotel zu eröffnen.

gegen gut gelungen. Die Größe lässt die
Bahn als Hauptattraktion erscheinen und
es gibt reichlich Fotomöglichkeiten, auch
von der aufgeständerten Warteschlange
sowie von Besucherplattformen.
Noch hinter dem Grand Race befinden
sich die beiden identisch gestalteten Vertikalfahrten von S&S Sansei mit dem
simplen Namen ,,Thrill Towers". Es
handelt sich um je einen Space Shot und
Turbo Drop mit jeweils drei Sitzen pro
Seite. (Andere Parks haben sich in der
Vergangenheit für eine alternative Sitzanordnung mit gerader Anzahl auf allen
Seiten entschieden, um weniger Besuchergruppen auseinander reißen zu müssen, welche meist eher in gerader Anzahl
auftreten.) Beide Türme teilen sich eine
Warteschlange und werden als gesamtheitliche Attraktion vermarktet. Vermutlich fällt den meisten Besuchern gar nicht
auf, dass sich das Fahrprogramm unterscheidet. Hervorzuheben ist die Optik der
Thrill Towers, welche insbesondere im
Zusammenhang mit der nebenstehenden,
hoch aufragenden Achterbahnkonstruktion ein schönes Bild ergibt.

Auf der anderen Seite von Red Force,
als einziger Anziehungspunkt vom Parkeingang gesehen hinter der Achterbahn,
befindet sich eine Freilichtbühne, welche
für Tanz- und Akrobatikvorführungen genutzt wird. Laute, aktuelle Musik sowie
BMX- und Basketball-Vorführungen lassen die Energie der Acrobatic Show auf

Die Bewertung eines neuen
Parks kurz nach der Öffnung
fällt immer schwer. Im Fall des Ferrari
Lands ist eine Analyse für Außenstehende aber noch ungleich komplizierter.
PortAventura World profitiert nicht nur
durch die Parkbesucher direkt, sondern
auch durch die potentielle Verlängerung
des Aufenthalts in den parkeigenen Hotels. Durch verschiedene Ticketoptionen
oder gar die Eingliederung des Ferrari
Land in den benachbarten PortAventura
Park bieten sich zudem noch ungewohnte Stellschrauben für den Fall, dass das
Besucherverhalten vorab falsch eingeschätzt wurde. Derzeit kommen die Gäste des Ferrari Lands vornehmlich bereits
zur Öffnungszeit, besuchen die Hauptattraktionen jeweils einmal und wechseln
je nach Andrang womöglich bereits mittags in den Hauptpark. Außer Frage steht
bereits jetzt, dass Ferrari als emotionales
Thema in Kombination mit dem italienischen Ambiente eine passende Erweiterung der PortAventura World darstellt.
Ob und wie beide Partner zu guter Letzt
von dieser Investition profitieren werden, klärt sich erst mit der Zeit ­ genauso wie die Frage, ob sich die erwarteten
bzw. prognostizierten Besucherzahlen
tatsächlich realisieren lassen ... Über
Besucherzahlenerwartungen speziell für
das Ferrari Land wird noch immer standhaft geschwiegen. PortAventura World
hofft jedoch insgesamt in 2017 mit fünf
Mio. Besuchern einen Rekord erzielen
zu können. (RL)
www.portaventuraworld.com

zurück zum Anfang von "EuroAmusement Professional 4-2017"