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EuroAmusement Professional 5-2010-Leseprobe

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Foto: TÜV Süd

Management

Unfälle in Freizeitparks:

Eine überschätzte Gefahr?
Von Robert von Bennigsen
Unfälle in Freizeitparks sind ein gefundenes Fressen für Sensationsjournalisten
und Schwarzmaler in der Versicherungsbranche. Erst Anfang 2009 hatte das
Handelsblatt über schwere Unfälle bei
Fahrgeschäften in den 1980er Jahren berichtet und damit wieder Diskussionen
bei Berufsgenossenschaft, TÜV und
Versicherern ausgelöst. Wiki-News und
Internetforen beschäftigen sich immer
häufiger in sensationslüsterner Weise
mit Unfällen und befeuern die negative
Berichterstattung. Völlig unnötig, wie
ein genauer Blick auf Untersuchungsergebnisse zweier Institutionen zeigt.
Die Deutsche Presseagentur berichtete
am 12. August 2009 um 10:48 Uhr, kurz
nach einem Achterbahn-Unfall in San
Francisco seien im nordenglischen
Blackpool gegen Ende der Parköffnungszeiten zwei Waggons der ,,BigDipper"-Achterbahn zusammengestoßen und 32 Menschen von Schleudertrauma, Knochenbrüchen und Rückenverletzungen betroffen. Die Wagen der
Holzachterbahn seien sechs Meter über
dem Boden zum Stehen gekommen. Die
Feuerwehr hätte bis in die Nacht gebraucht, die Fahrgäste zu retten.
Im Juni 2008 verunglückte ein 17-jähriger Junge. Er war mit der Batman-Ach-

terbahn des Freizeitparks Six Flags in
Georgia/USA gefahren und hatte dabei
seine Baseballmütze verloren. Um sie
wiederzubekommen, sei er anschließend
über eine Absperrung geklettert. Unmittelbar danach sei er von den vorbeifahrenden Wagen in voller Fahrt getroffen
worden.
2007, ebenfalls im Juni, nahm der
Besuch eines Freizeitparks in Louisville/Kentucky für ein 13-jähriges Mädchen ein furchtbares Ende. Das Opfer
gehörte zu den Besuchern, die ein Ticket
für den ,,Superman Tower of Power"
lösten, einen 54 Meter hohen Turm, an
dem eine Gondel mitsamt Insassen langsam in die Höhe schwebt und dann blitzschnell über eine Distanz von 47 Metern
mit einer Geschwindigkeit von 87 Stundenkilometern zu Boden fällt ...

Falsche Schlüsse aus effektvollen Unfalldarstellungen
Jedes dieser Beispiele ist ohne Zweifel
eines zu viel. Trotzdem: Solche und ähnliche Fälle zählen zum beliebten Repertoire einiger Redaktionen, durch die
möglicherweise falsche Schlüsse bezüglich der Sicherheit von Fahrgeschäften
in Freizeitparks gezogen werden. Hätte

dies nur Auswirkungen auf eine kleine
Zahl von Freizeitparkbesuchern mit
ohnehin schon vorhandenen Ressentiments, wäre das zu verschmerzen. Problematisch, mit unerfreulichen wirtschaftlichen Konsequenzen für die Parkbetreiber verbunden, wird es jedoch,
wenn dadurch Besucher abgeschreckt
werden oder wenn die Versicherungsunternehmen der Freizeitparks hierdurch
zu einer negativen Risikoeinschätzung
kämen und ihre Prämien in der Haftpflichtversicherung verteuern würden.
Seit einigen Jahren kämpft der Verband
Deutscher Freizeitparks und Freizeitunternehmen e.V. (VDFU) darum, dass
sich alle Freizeitparks an der Sammlung
relevanter Daten beteiligen, um die
Sicherheit ihrer Fahrgeschäfte auch zu
belegen. Eine erste, noch nicht vollständig empirisch belastbare Studie aus dem
Jahr 2007, an der sich 24 Freizeitparks
beteiligt hatten, konnte die geringe Anzahl von nur 79 Vorfällen darstellen. Die
an der Studie beteiligten Parks hatten
damals zusammen 17,4 Mio. Besucher
(rund drei Viertel aller FreizeitparkBesucher in Deutschland). Umgerechnet
stellen rund 4,5 Fälle je 100.000 Besucher eine äußerst geringe Unfallquote
dar. Noch günstiger stellt der Bericht die
Unfallquote vor dem Hintergrund dar,
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