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EuroAmusement Professional 5-2009

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Parks

sportveranstaltungen und Bikertreffen ist abends allenthalben
viel Halligalli mit (teils spärlich bekleideten) Mädchen, viel
Bier und Gesang angesagt. Der Party-Komplex ,,Grüne Hölle"
mag ideal für diese Art Happenings geeignet sein. Allein das
Casino stellt bei ,,wahren" Rennsportfans eine Art Stilbruch
dar ...
Wenn Kritiker meinen, dass der neue Ring mit der immensen
Investition von gut 250 Mio. Euro (die ,,Eifel-Zeitung"
,,schätzt das Projekt auf weit über 300 Mio. Euro" Gesamtkosten am Ende!) mehr Stückwerk als vielmehr etwas einheitliches Neues ist, so mag das stimmen ... denn ein Freizeitpark
nach bekanntem Muster ist nicht entstanden, das war jedoch
auch nicht geplant! Für die Vielfalt der je unterschiedlichen
neuen Angebote gibt es allerdings auch nicht allzu viele Blaupausen und entsprechende Erfahrungen. So bleibt sowohl ein
Risiko, ob Synergie möglich ist ... als auch ein Risiko hinsichtlich des gesamten Projektes ­ in beiden Fällen ein m.E.
eher überschaubares Risiko. Bedenken Sie: Walter Kafitz, der
,,Herr des Rings", und sein Team beginnen nicht bei Null!
Plumpe eins-zu-eins-Vergleiche mit dem bereits nach wenigen
Monaten grandios gescheiterten rund 600 Mio. Euro teuren
Space Park in Bremen sind deshalb schlicht böswillig oder
mangelnder Kenntnis geschuldet. Auch wenn die Mitwirkung
führender früherer Space Park-Mitarbeiter beim Ring-Projekt
durchaus einen schalen Beigeschmack verursacht.
Ohne das Verluste einfahrende Formel 1-Engagement hätte die
Nürburgring GmbH wahrscheinlich einen halbwegs sicheren
Gewinn zu verzeichnen. Die Formel 1 hat jedoch eine regionalwirtschaftlich gesehen immense Bedeutung. Mit diesem
Spektakel werden rund 60 Mio. Euro in der Region umgesetzt.
Belastend für die Nürburgring GmbH ist allerdings allein
schon die fürstliche Gage von rund 15 Mio. Euro, die Formel
1-Zampano Bernie Ecclestone laut Insiderschätzungen pro
Rennen einkassiert.
In Zeiten, in denen kein Normalsterblicher mehr die von den
großen Finanzinstituten global platzierten ,,innovativen
Finanz-Produkte", sprich ,,Giftpapiere" verstehen und nachvollziehen kann, versuchte sich die rheinland-pfälzische Landesregierung unter Federführung von Finanzminister Deubel
wohl in ähnlich verschachtelten Konstrukten. Die Tageszeitung ,,Die Welt" urteilte über ihn: ,,Mit diebischem Vergnügen
erfand Deubel immer neue Tricks und Finanz-Jonglagen." Ziel
des von verschiedenen Seiten schon frühzeitig heftig kritisierten Konstrukts war es ursprünglich, mit gewagten ,,FinanzJonglagen" rund 50 Mio. Euro Investitionskosten zu sparen.
Schon seit Monaten stand der Finanzminister kräftig unter
Druck, weil er die Investition des neuen Rings als Privatinvestition nicht unter Dach und Fach brachte. Mit geschickter Hinhaltetaktik konnte er jedoch über Monate das Ärgste verhindern. Noch Mitte Juni attestierte ihm Ministerpräsident Beck
hinsichtlich der geplanten, von vielen Seiten kritisierten und
quasi ,,2 vor 12" gescheiterten Privatfinanzierung des RingProjektes: ,,Was auf den Weg gebracht wurde, ist absolut
seriös", und: ,,Mein besonderer Dank gilt dem Finanzminister." Alle Kritik an dem Privatfinanzierungsmodell oder Verdächtigungen über unseriöse Geschäftspraktiken oder -partner
wies Beck laut Medienangaben als ,,nicht gerechtfertigt"

Im Rausch der Geschwindigkeit: Wo sonst nur die Formel 1-Wagen entlang
rauschten, steht nun auch die Achterbahn ,,ring°racer" für extrem schnelle
Fahrten zur Verfügung. Lesen Sie hierzu unseren Ridereport.

zurück. Die Glaubwürdigkeit und die Halbwertszeit dieser
Beck-Aussagen zeigte sich rund drei Wochen später, als
besagter Ministerpräsident Beck feststellen musste: ,,Die Privatfinanzierung ist gestoppt. (...) Wir hätten die Reißleine
früher ziehen müssen. Das nicht getan zu haben, war ein Fehler." Fürwahr! Zur rechtzeitigen Korrektur dieses risikoreichen Ansatzes hätten Deubel & Beck lediglich auf andere
hören mögen: Der rheinland-pfälzische CDU-Fraktionschef
Christian Baldauf erklärte im Mai, dass die SPD, die im Europawahlkampf moralisierend Finanzhaie plakatierte, ,,hier in
Rheinland-Pfalz die Speerspitze von unsäglichen Spekulationsgeschäften" darstelle ­ er sprach in diesem Zusammenhang gar von einem ,,Vabanquespiel". Mitte Juni kritisierte
Baldauf Deubels Finanzierungskonzept als ein ,,vollkommen
unseriöses und unkalkulierbares Finanzierungsmodell". Ähnlich lautend die Klagen und die Kritik von FDP und Grünen.
Auffällig bleibt: Investitionsinteresse von privater Seite blieb ­
außer dem abenteuerlichen Ansatz von Finanzminister Deubel
­ praktisch komplett aus. Denn auch Investoren um den Projektentwickler Mediinvest aus Düsseldorf, die sich laut ,,Kölnischer Rundschau" ursprünglich mit insgesamt 94 Mio. Euro
beteiligen wollten, zogen sich laut Zeitung aufgrund ,,gravierender Finanzprobleme" in den eigenen Reihen weitgehend
zurück. Um das Projekt finanziell nicht zu gefährden, sprang
eine landeseigene Gesellschaft ein. Wenn auch etwas schwammig, so doch als möglicher Fingerzeig zu verstehen, ist
schließlich Deubels Aussage nach seiner Abdankung als Finanzminister ­ laut ,,Kölnischer Rundschau" sagte Deubel: Es
sei klar, dass es bei diesem Mio.-Projekt ,,wirtschaftlich
durchaus eng ist". Deubel ­ ein Insider ­ war von 2006 bis
Mitte Juli 2009 auch Aufsichtsratschef am Nürburgring.
Als eindeutig wenig hilfreiche Maßnahme muss an dieser
Stelle kritisiert werden, dass in den hektischen Juni-Tagen
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