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EuroAmusement Professional 1-2005-Leseprobe

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10.01.2005

11:23 Uhr

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Management

Wie Hersteller und TÜV von Anfang an kooperieren
Wie Hersteller und TÜV von Anfang an kooperieren

Sicherheit ist Teamwork
Im Gespräch mit Henning Berkelmann

Wenn Fahrgäste auf tonnenschweren
Stahlteilen sitzen, die mit Geschwindigkeiten von mehr als 100 Stundenkilometern bewegt und mit bis zu 5 G herumgerissen werden, dann ist jedem
klar, dass Sicherheit bei Vergnügungsanlagen ein überragendes Thema sein
muss. Schließlich soll der Passagier
durchaus etwas Angst haben, aber
nicht davor, einen Unfall zu erleiden.
Auch für den Betreiber einer Anlage
führt das Versagen im Sicherheitsbereich immer zu gravierenden Imageschäden, Anlagenausfall und Schadenersatzforderungen. Für ihn wird deshalb die Sicherheit einer Maschine immer ein wichtiger Aspekt der Kaufentscheidung sein. Und nicht zuletzt hat
eine fundierte Sicherheitsphilosophie
auch einen direkten Nutzen für den Anlagenhersteller, seine Prämien für die
Haftpflichtversicherung richten sich
nach den in seinem Hause implementierten Sicherheitsstandards. Wir sprachen mit einem Mann, der ganz am Anfang der Produktionskette sitzt, wenn es
um die Entwicklung eines neuen Fahrgeschäftes geht. Henning Berkelmann
ist Leiter der Vorentwicklung bei der
HUSS Maschinenfabrik in Bremen.
Herr Berkelmann, Adrenalin und Highspeed gehören zu großen HighThrillFahrgeschäften einfach dazu. Aber die
Sicherheit, die Kontrollierbarkeit der
freiwillig erlebten Gefahrensituation
steht nicht nur für den Besucher, sondern auch für Sie als Hersteller ganz
oben auf der Prioritätenliste, nicht
wahr?
Selbstverständlich, Sie sagen es. Aus
diesen Gründen wird bei HUSS in Bremen der TÜV sehr frühzeitig in den
Entwurfs- und Entwicklungsprozess
eingebunden. Ziel ist, die Sicherheit
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sozusagen vom ersten Strich an mit in
die Anlage hineinzukonstruieren.
Deshalb tritt der TÜV jetzt auch in einer neuen Rolle als Unterauftragnehmer, zuständig für Sicherheit, auf. Natürlich muss diese Aufgabe personell
von den späteren Prüfaufgaben getrennt sein.
Wie sieht das konkret aus? Welche Aufgaben kommen dem TÜV in dieser
Funktion während des Entwicklungsprozesses zu?
Entwicklungsbegleitend erfüllt der
TÜV mehrere Aufträge: Die Prüfung
von Fahrtabläufen auf Verträglichkeit
und Maschinenbelastung, die Verifikation der Dynamik durch eigene Simulationen, die Prüfung der Lastannahmen und Strukturberechnungen sowie
die Klärung von sicherheitsrelevanten
Detailfragen, insbesondere Verriegelungstechnologie, Überwachung und
Notstop-Verhalten.
Aber wir erhalten von den Kollegen
auch Hinweise auf Veränderungen der
Sicherheitsphilosophie und deren Implementierung, und sie sind verantwortlich für die Erstellung eines kompletten Sicherheitskonzeptes nach IEC
61508.
Der TÜV erstellt ein Sicherheitskonzept? Das klingt gut. Ist der Hersteller dann ganz ,,aus dem Schneider", wie man so schön sagt?

Nein, das sicher nicht. Er bleibt natürlich in der Verantwortung. Aber lassen
Sie mich auf den Punkt Sicherheitskonzept noch mal ausführlicher eingehen, da ein solches sehr strukturiert ist
und die peinlich genaue Durchführung
desselben tatsächlich viele Vorteile hat.
Ein Sicherheitskonzept soll die Anlage
vom ersten Entwurf bis zur Entsorgung
begleiten. Es löst sich von der sicherheitsmäßigen Betrachtung der Einzelteile und zwingt dazu, die Anlage als
Ganzes inklusive Betrieb und umliegenden Bauten zu sehen. Durch die
zwingend vorgegebene Prozessstruktur
wird das Risiko, wichtige Dinge zu
übersehen, auch bei komplexen Zusammenhängen, minimiert. Der Prozess selbst besteht aus drei Stufen.
Vielleicht wäre es gut, wenn Sie uns
diese ein wenig näher erläutern!
In Stufe I wird zunächst eine allgemeine Anlagenbeschreibung angefertigt,
die den konstruktiven Aufbau, die Betriebsarten und eine Beschreibung der
Fahrtabläufe enthält und des weiteren
die Subsysteme definiert, inklusive
ihrer Grenzen untereinander.
Stufe II ist eigentlich die wichtigste
und besteht aus vier Unterabschnitten.
In Abschnitt eins wird eine Gefährdungsanalyse erarbeitet, die jedes gefährliche Ereignis einzeln auflistet und
detailliert beschreibt, z.B. ,Ereignis 1:
Herausfallen von Fahrgästen`.

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