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EuroAmusement Professional 2-2013-Leseprobe

Seite 30 EuroAmusement Professional 2-2013-LeseprobeTechnologie

Warteschlangen-Management:

Wie lange ,lange` sein kann
Ende 1999 installierte Disney im Animal Kingdom in Florida sowie im Disneyland Kalifornien testweise ein ,,Fastpass" genanntes System. Die Besucher
des Parks konnten sich mittels der
Eintrittskarte an einem Automaten ein
Ticket für ausgewählte Attraktionen holen. Ziel war und ist es, statt der langen
Wartezeit in der Schlange einer Attraktion dem Gast die Möglichkeit zu geben,
andere Attraktionen während dessen zu
besuchen. In der Theorie ist es auf diese Weise möglich, die Besuchermassen
im Park gleichmäßiger zu verteilen und
freie Kapazitäten bei Attraktionen oder
der Gastronomie besser zu nutzen.
Mehr als 13 Jahre später findet man in
allen Disneyparks an den Hauptattraktionen ein Fastpass-System, das für die Gäste Fluch und Segen zugleich sein kann ...
doch dazu später mehr. Disney war übrigens nicht das einzige Unternehmen, das
mit einem Warteschlangen-Managementsystem experimentierte. Leonard Sim installierte schon 1998 im Thorpe Park in
England seinen Prototypen für ein virtuelles Warteschlangen-Management. Zwei
Jahre später gründete der Engländer die
Firma Lo-Q, die seitdem in diversen
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Freizeit- und Wasserparks weltweit die
Produkte ,,Q-bot", ,,Q-smart" oder ,,Qband" installieren konnte. Lo-Q basiert
in der Regel auf einer Technologie sowie
einem Businessmodell, wofür die Besucher extra zahlen müssen. Bei Disney
hingegen ist das Fastpass-System, bei
dem die Eintrittskarten in ein Lesegerät
an der Attraktion gesteckt werden, um
daraufhin ein Ticket mit einer aufgedruckten Fahrzeit zu erhalten, bisher
kostenlos angeboten worden.
Dass es aber auch ohne aufwändige
technische Hilfsmittel geht, beweist zum
Beispiel das Phantasialand. Unter dem
Namen ,,Quick Pass" wird im Park für
15 Euro ein auf vier Fahrten beschränkter direkter Zugang zu einer Auswahl
der Hauptattraktionen ermöglicht. So
können vier Personen eine Attraktion
ohne lange Wartezeit nutzen oder aber
zwei Personen zwei Attraktionen. Der
Zugang erfolgt in der Regel über den
Ausgang der Attraktion. Das erspart
Umbaumaßnahmen bei bestehenden
Attraktionen sowie Platz raubende zusätzliche Wege. ­ Doch warum ist es für
Freizeitparks wirklich spannend solche
Systeme einzusetzen? Hilft es den Be-

suchern wirklich oder ist es ,,nur" ein
Produkt zur Umsatzsteigerung?
Grundsätzlich gilt: Wenn ein begrenzter
Personenkreis Attraktionen eines Parks
über ein Fastpass ähnliches System nutzen kann, erhöht sich die Wartezeit der
Gäste, die dafür normal in der Warteschlange anstehen müssen. Solche Systeme können daher vor allem dann für
unzufriedene Besucher sorgen, wenn
sie mit einem hohen Aufpreis verbunden sind, den sich nicht jeder Besucher
leisten kann oder will. Neidische Blicke
der Wartenden oder gar abfällige Kommentare sind in diesem Zusammenhang
­ wen überrascht es! ­ durchaus üblich.
Idealerweise verläuft daher der Zugang
von kostenpflichtigen virtuellen Warteschlangen-Systemen nicht parallel zur
normalen Warteschlange.
Bei Disney ist ­ wie schon festgestellt ­
die Nutzung des Fastpass für alle Besucher kostenlos möglich. Aber wenn es
alle in gleichem Umfang nutzen können,
bleibt die Frage, ob es überhaupt einen
Sinn ergibt. Denn unter der Annahme,
dass alle Besucher das System in gleichem Maße nutzen, gibt es rechnerisch

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